Kulturbanausenhausen, Wie wir leben wollen
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It‘s a KLOZ

Neumarkt Osnabrück - Es ist ein KLOZ (c) Kerstin Freking

Einen wunderschönen, liebe Leser*innen! Hier ist, was niemand erwartet, aber auf das hoffentlich viele gewartet haben: Die Kleine Osnabrücker Zeitschrift – kurz KLOZ.

Was liegt an? Osnabrück im Jahre 2019. Wie viele andere Städte auf der Welt droht Osnabrück am Verkehr zu ersticken. Blechlawinen walzen sich täglich durch die Stadt, Radfahrer*innen und Fußgänger*innen werden überfahren, die Nerven liegen blank. Nicht wie in Berlin oder München, aber naja.

Es gibt eine einigermaßen lebhafte Kulturszene, ein durchaus nennenswertes, wenn auch überschaubares Nachtleben mit Kneipen, Konzerten, Partys. Kleine und feine Festivals jeglicher Sparten erreichen hin und wieder auch ein überregionales Publikum. Nicht wie in Hamburg oder Köln, aber nun.

Der wohl gefeiertste Sohn der Stadt – Erich Maria Remarque, der berühmte pazifistische, antifaschistische Schriftsteller – suchte vor fast 100 Jahren sicherheitshalber mit kaum Anfang 20 das Weite und ward nie wieder gesehen. Aber hey, Osnabrück verfolgte ihn in seinen Geschichten bis an sein Lebensende, und außerdem hatte er eine Beziehung mit Marlene Dietrich. Apropos, popmusikalisch lässt sich mit Fug und Recht sagen: Die erfolgreichsten Exporte der Hasestadt sind schräg, angefangen vom Medium-Terzett über die angefahrenen Schulkinder bis hin zu den Pulveraffen.

Die AfD ist in Osnabrück nicht wirklich vorhanden. Das mag an der geringen Zahl der sogenannten flüchtlingskritischen Stimmen liegen oder an der Inkompetenz des lokalen Kreisverbands. Oder aber daran, dass die Bruchlinie der Stadtgesellschaft in Osnabrück vielmehr den Fortbewegungspräferenzen folgt, siehe oben. Das sorgt für das Vorhandensein einer aus einer Facebook-Gruppe hervorgegangenen Autofahrerpartei im Stadtrat, die den PKW für alternativlos erachtet und deren Vorsitzender in Netz radelnde Unfallopfer für ihren Tod selbst verantwortlich macht, die zumindest das Gros des Wutbürger-Wählerpotential abschöpft. Kann aber auch sein, dass es stimmt, was manche sagen: dass Osnabrück dem Rest der Welt immer so ungefähr zehn Jahre hinterherhinkt.

Medienmäßig sieht‘s mittelmäßig aus. Unangefochtenen auf Rang eins der lokalen Medien steht die eher bürgerlich-konservative Neue Osnabrücker Zeitung, die seit Jahren zu den am häufigsten zitierten Zeitungen gehört und für eine Lokalzeitung auch angesichts des Monopols in halb Niedersachsen wirtschaftlich zumindest im Vergleich halbwegs gut darzustehen scheint, seinen Umfang Ende letzten Jahres allerdings klammheimlich ein wenig reduziert hat.

Monatlich erscheint das Osnabrücker Stadtblatt: Ende der 70er als linkes DIY-Debattenblatt gestartet, heute eher ausgerichtet auf die „Konsenserwartung“ des Publikums. Nichtsdestrotrotz findet man hier nicht zuletzt den wohl brauchbarsten Veranstaltungskalender der Stadt – als Printversion. Außerdem gibt es seit 2011 die Hasepost, ein vorrangig mit Pressemitteilungen gefülltes Online-Lokalmagazin. Unter Pseudonym kommt hier eine angeblich prominente Osnabrücker Persönlichkeit zu Wort, die augenscheinlich die Anliegen der oben erwähnten Autofahrerpartei BOB vertritt. Ein paar weitere Angebote gibt‘s auch noch.

In dieser Gemengelage haben wir uns überlegt, dass da doch irgendwie etwas fehlt. Am Kneipentresen natürlich, vermutlich war es im Tiefenrausch, so genau weiß das jetzt, ungefähr zwei Jahre später, auch niemand mehr. Gefühlt scheint das Medienangebot in Osnabrück ein wenig rechte Schlagseite zu haben. Und vor allem fühlt sich das ganze irgendwie schrecklich alt an. Aber was hilft es, zu meckern: DIY or die heißt es ja so schön. Et voilà, here comes the KLOZ. Probieren wir‘s, gehen wir‘s an. Suchen wir den anderen Blickwinkel, stöbern wir in den Ecken, in die sonst keiner guckt. Lassen wir die zu Wort kommen, die sonst nicht mitreden. Und fühlen wir den Gegebenheiten auf den Zahn. Das sind natürlich hoch gesteckte Ziele, im Wesentlichen aber auch klassische Tugenden journalistischer Arbeit.

Auch wenn die zweiköpfige Start-Crew ein paar Erfahrungen in der Medienbranche gemacht hat, ist das Ganze ein reines Hobby-Projekt. Ein Akt bürgerschaftlichen Engagements, sagen wir mal. Zu versuchen, damit Geld zu verdienen, lassen wir lieber mal direkt bleiben. Wer will, kann ja anonym was spenden, oder so. Unsere Zielgruppe sind wir erst einmal selber. Das macht uns in dieser Hinsicht unabhängig. Wobei wir natürlich abhängig von unserer Broterwerbstätigkeit sind.

Neutral will die KLOZ sowieso nicht sein. Und selbst wenn wir es wollten, ginge es eh nicht. Progressiv? Links? Wir nennen unsere Ausrichtung erst einmal kosmopolitisch im Sinne des alten Diogenes, dem ersten Punk. Das rüttelt sich mit der Zeit sicher noch fest.

Und sowieso: Erstmal loslegen, einfach machen. Alles weitere wird sich zeigen. Ganz sicher hoffen wir aber, schnell einige Mitstreiter*innen zu finden, die Lust haben, bei der KLOZ mitzuwirken, damit es hier schnell bunt wird. Alle sind willkommen. Es winken zahllose Karmapunkte. Meldet euch einfach unter: kloz@kloz-blog.de.

Herzlichst,

Marco Gausmann und Martin Wispel

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