Autor: Paul Gowasch

Virtuelle Kultur stoppen

Wenn man sich ansieht, wie sich Musiker momentan bei virtuellen Konzerten „verkaufen“, könnte man auf die Idee kommen, sie haben einen Hang zur Selbstzerstörung. In Zeiten von Isolation, Kontaktverboten, Maskenpflicht und Sicherheitsabstand geben Musiker Umsonst- oder Hut-Konzerte im Internet und den unsozialen Medien und graben sich selbst dabei das Wasser ab. Zwar geht – wie zum Beispiel in der Lagerhalle – der virtuelle Hut rum und die Zuschauer können eine ihnen gefällige Summe spenden. Aber diese Gigs sollten so schnell wie möglich gestoppt werden – aus zwei Gründen. Kultur ist wichtig. Kultur ist unverzichtbar. Ohne Kultur geht es nicht. Phrasen haben momentan Hochkonjunktur. Aber müssen die Konsumenten aktuell ohne Kultur leben? Nein. Im Internet, in das sich das Leben während der Coronakrise verlagert hat, gibt es zahlreiche Angebote: Vom virtuellen Museumsbesuch über Theateraufführungen, Lesungen oder eben Konzerte. Wie sollen die Leute merken, wie wichtig, unverzichtbar und arm das Leben ohne Kultur ist, wenn sie ständig darauf zurückgreifen können? Oft weiß man erst, wie wichtig selbstverständliche Dinge sind, wenn man sie nicht mehr hat. Diesen Lerneffekt …

Fußball in den Rabatten

Profifußball gehört in Quarantäne

Wer Solidarität mit dem Profi-Fußball fordert, argumentiert entweder populistisch oder ist naiv. Die Spieler eines Vereins aus der 1. oder 2. Liga sind fast ausschließlich Ich-AG’s. Solidarität mit Kollegen oder der Gesellschaft gibt es nur in Ausnahmefällen. Zwar ist die Corona-Pandemie ein Ausnahmefall. Aber wenn die DFL jetzt fordert, Geisterspiele auszutragen, geht es ihr nicht um den sportlichen Wettbewerb, sondern einzig und allein um Geld. Mal angenommen, die Saison würde ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden. Die Bayern werden wieder Meister und begießen zum Anlass der 300. Meisterschaft wieder mit Bier aus Gläsern, die mit GoPro-Kameras ausgestattet sind. Die Zuschauer an den Flachbildschirmen könnten live dabei sein und ausrasten. Alles wie gehabt. Oder nicht?Genau: Die Zuschauer fehlen – vor allem die, die sich in den Armen liegen und gemeinsam den Abstieg von zum Beispiel Werder Bremen beweinen. Das darf es in Zeiten von Corona natürlich nicht geben. Deswegen fordert das Bündnis „Fanszenen Deutschlands“ nun folgerichtig, dass Fußball nicht ohne Zuschauer stattfinden darf. „Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft …